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Leben außer Atem
Dokumentarfilm von Aldo Gugolz über die schwer behinderte, äußerst engagierte Nina Dorizzi.
Film Video-Kassetten direkt erhältlich bei: svetfenster@gmail.com
Nina Dorizzi ist seit einer Kinderlähmung mit 16 Jahren vom Hals abwärts gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Doch aufgegeben hat Nina nie: Als 52-Jährige wurde sie auf der SP-Liste in das Winterthurer Stadtparlament gewählt; seit ihrer Jugend ist sie eine Kämpferin für andere Benachteiligte.
»Das nächste Mal muss ich wohl eine Kalaschnikow mitbringen«, sagt Dorizzi im Dokumentarfilm, als ihre Hilfslieferung nach tagelangen Verhandlungen weiterhin im Moskauer Zollamt zurückbehalten wurde. Die Verzollung der Rollstühle, Betten und Hilfsmittel drohte an einer gespendeten Schachtel Wollknäuel zu scheitern, weil die Zöllner dafür keinen speziellen Code fanden, erzählt Regisseur Aldo Gugolz über die Dreharbeiten in Russland.
An die komplizierte Zollabfertigung, die sie Bestechungsgelder kostet, hat sich Nina Dorizzi nach zehn Lieferungen schon fast gewöhnt. Auch sie selbst kriegt die Widerstände zu spüren, mit welchen Russlands Behinderte täglich kämpfen: So verlangte ein Zöllner nach einem "normalen" Verhandlungspartner.
Der in München lebende Gugolz hat nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Fernsehen und Film in München für eine Fernsehsendung über Menschen mit Behinderungen gearbeitet. Per Zufall war er darauf gestoßen, doch mittlerweile lässt ihn das Thema nicht mehr los: »Behinderte sind oft die interessanteren Menschen.«
Auf Nina Dorizzi wurde er durch einen Artikel im Beobachter aufmerksam, der sie auf Grund ihres Engagements in Russland für seinen Prix Courage nominierte. Gugolz las ihr autobiografisches Buch "Oben brennt’s und unten lodert’s", bat sie um ein Treffen und entschloss sich 1998, sie auf ihrer Russlandreise zu begleiten.
Für Dorizzi war es keine Frage mitzumachen: "Ich kann mich auf meine Menschenkenntnis verlassen."
Sie ließ sich von Gugolz auch im Bett und bei der Morgentoilette filmen.
Die eindrücklichsten Momente des Dokumentarfilms sind die Begegnungen mit Behinderten in Russland und ihren Angehörigen. Für sie, die vielfach aus Mangel an Hilfsmitteln das Bett jahrelang nicht verlassen können, ist es kaum vorstellbar, dass jemand, der nur die Gesichtsmuskeln bewegen kann, im Parlament seiner Stadt sitzt, Demonstrationen organisiert, Bücher schreibt, Menschen psychologisch betreut und ein Hilfswerk managt, wie es Nina Dorizzi tut.
Am Schluss des Filmes sagt Dorizzi: »Träumen allein bringt einen nicht weiter. Manchmal muss man etwas verwirklichen.«
Die Bewunderung von Gugolz für Dorizzi wuchs, je mehr er erkannte, was es bedeutet, mit einer so schweren Behinderung zu leben und sich dennoch für andere einzusetzen. »Wenn ich heute wegen Bagatellen den Kopf hängen lasse, kommt mir in den Sinn, was Nina alles zu Stande bringt«, sagt er.
Genauso begeistert wie der Regisseur reagieren viele: 200'000 Zuschauende verzeichnete der Film "Leben außer Atem", als er im August 01 auf 3sat lief. Viele von ihnen schrieben Dorizzi darauf Briefe und E-Mails, die sie selbst beantwortete.
Mit einem Blasröhrchen schafft sie 140 Anschläge pro Minute auf ihrem Computer. Bewunderung und Freundschaft sind spürbar im Dokumentarfilm, der einen intimen Einblick in Dorizzis Leben gewährt, dafür jedoch auf kritische Distanz verzichtet und schwierige Phasen ihres heutigen Lebens ausklammert. Dies sei nicht willentlich geschehen, sagt Gugolz: »Während unserer beschränkten Drehzeit ging es ihr immer gut.«
Nach der Russlandreise musste Gugolz zuerst Geld auftreiben, um den Film fertig zu stellen. An die Gesamtkosten von 180 000 Mark erhielt er nur etwas mehr als die Hälfte von der bayrischen Filmförderung, 3sat und diversen Stiftungen. Den Rest hat er selbst beigesteuert.
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